THIS WORLD / NEXT WORLD
Verehrte Schädel und Face Farces von Arnulf Rainer stehen einander vom 09.06. bis 03.07.2010 in der Münchner EXPOCA Galerie gegenüber.
Der im vergangenen Jahr achtzig Jahre alt gewordene österreichische Künstler Arnulf Rainer ist durch seine Übermalungen bekannt geworden. In der Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre des 20. Jhdt. entstandenen Werkgruppe Face Farces versucht Rainer, durch Übermalungen photographischer Selbstportraits Dynamik und Spannung zurückzuholen. Die graphische Überarbeitung der Fotos erfolgt in Form einer Akzentuierung, weil die Fotografien seiner Auffassung nach zu wenig von seiner Anspannung und nervösen Erregung zum Zeitpunkt der Aufnahme dokumentieren.
Viele Naturvölker schaffen durch Artefakte einen Platz für die Seele ihrer verstorbenen Ahnen. So gibt es z.B. bei den Asmat (südwestliches Neuguinea) Schilde, die die Seele des Ahnen verkörpern und wie bei vielen Volksgruppen üblich, bearbeitete menschliche Schädel als Haus für die Seele. Durch Material und Bearbeitung bringt der Künstler nicht, wie Arnulf Rainer in seinen Face Farces, den Ausdruck seiner eigenen Seele zum Vorschein, sondern schafft den Raum, in dem die Seele des Verstorbenen Aufnahme findet.
EXPOCA hat die ab 10.06.2010 in der Münchner Pinakothek der Moderne gezeigte Werkschau Arnulf Rainer - Nackte Malerei zum Anlass genommen, sechs Face Farces von Arnulf Rainer sieben hervorragenden menschlichen Ahnen - und Trophäenschädeln gegenüber zu stellen: Bearbeitung des Porträts als Ausdruck der Seele im Lebenden (This World) und Bearbeitung des Schädels zur Schaffung eines Refugiums für die Seele des Verstorbenen (Next World). Die Gegenüberstellung zeigt in beeindruckender Weise, wie Arnulf Rainer durch Intensivierung eines Fotodokuments seinen eigenen Seelenzustand darstellt, während die Naturvölker im kultischen Umgang mit den Schädeln ihrer Ahnen oder Opfer der fremden Seele Ausdruck verschaffen. Dies alles unterstützt, durch die feierliche Stimmung und Ruhe, die die Schädel ausstrahlen.